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10.01.2004
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Presse

Artikel in der EURO AM SONNTAG (22.09.02) über unseren Wertpapierclub.

  • Das Interview (Internetpräsentation ab Mitte Maerz 04)
  • Bilder vom Interview (Internetpräsentation ab Mitte Maerz 04)

Der Presseartikel

Die Unverzagten e. V.

Zu Zeiten des Börsen-Booms schossen Investment-Clubs wie Pilze aus der Erde.
Was ist aus ihnen geworden? Eine Momentaufnahme.
von Julia Groß


Früher gab es Tage, da war Rainer Wich das Wetter egal. "Ob die Sonne schien, ob' s regnete, das hat mich nicht interessiert. Für mich gab es nur gute oder schlechte Börsentage", erinnert sich der 36-jährige angehende Berufsschullehrer.

Früher - das war Ende der 90er. Schlechte Tage waren solche, an denen seine Aktien nur wenige Prozent Plus schafften. An guten Tagen schossen die Kurse 20, 30 oder 50 Prozent in die Höhe. Es herrschte Goldgräberstimmung. "Da wollten alle Millionäre werden", so Konstrukteur Thomas Linz. Mit Schröcher und Wich gründete er im April 2000 den Münchner Rato-Wertpapier Club. Die Anfangssilben der Vornamen der Gründerväter gaben dem Club seinen Namen. Neun weitere Freunde, Bekannte und Verwandte, traten dem Verein im Frühjahr 2000 bei.
"Im Nachhinein ein unglücklicher Zeitpunkt", gibt Rainer Wich zu. Denn ins Rato-Depot kamen vom ersten Tag an hauptsächlich TechnoWerte aus Nasdaq und Neuem Markt. Und die hatten, wie man heute weiß, gerade ihren Zenit überschritten.


Etwa 6700 Investment-Clubs gibt es in Deutschland, schätzt die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Wie viele davon noch aktiv sind, weiß niemand. Die DSW betreut 700 Clubs, gibt ihnen Leitfäden an die Hand, unterstützt sie bei rechtlichen Fragen, vor allem bei der Gründung. Allerdings - das Interesse an Neugründungen ist mit der Börsenbaisse deutlich gesunken. "Doll ist das nicht", bestätigt Sabine Richter von der DSW. "Aber die Anfragen sind auch nicht total eingebrochen."

Aufgeben will der Rato-Wertpapierclub auf keinen Fall. Zweimal im Monat ist Stammtisch in einer mexikanischen Kneipe in München-Haidhausen. Da einigen sich die Mitglieder auf eine grobe Strategie. Und pflegen gegebenenfalls gemeinsam den Katzenjammer, wenn die Spekulation mal wieder nicht aufgegangen ist.
"Klar hat jeder mal seinen Tiefpunkt, wo er sagt: komm, lass mich bloß in Ruhe mit dem Quatsch", sagt Thomas Linz. "Das Gute ist, dass wir diesen negativen Punkt noch nie zur selben Zeit erreicht haben. So können wir uns immer gegenseitig motivieren." Als Einzelkämpfer in der derzeitigen Börsenlage, das stellt sich Linz wesentlich schwieriger vor: "Es ist echt wichtig, dass man nicht allein ist und sich aussprechen kann." Dann wird schon mal eine Runde Tequila bestellt - und Schwamm drüber.


Ihrer Strategie sind die Rato-Männer trotz allem treu geblieben: Internet, Technologie, Biotech, spekulative Werte, mit denen sie zurzeit recht aktiv, sprich im Tage- oder Wochenbereich, handeln. Aber es sei viel schwieriger geworden, kaufenswerte Aktien zu finden, als vor zwei Jahren. "Damals konnte man schließlich kaum was falsch machen", ist Linz überzeugt. Zum Beispiel Comroad: Der Telematik-Spezialist vom Neuen Markt war einst die beste Aktie im Club-Portfolio. Wich besuchte sogar die Hauptversammlung im Münchner Luxushotel Vier Jahreszeiten: "Ein Wahnsinns-Büfett gab es da."

Als sich später - die Aktien waren zum Glück schon längst verkauft - herausstellte, dass der Umsatz von Comroad zum allergrößten Teil nur auf dem Papier bestand, waren die Münchner fassungslos. Rainer Wich greift sich an den Kopf: "Das ist doch einfach absolut unglaublich!"
Heute überlegen die Clubmitglieder länger und gründlicher, wo sie investieren. Rainer Wich gibt letztendlich die Orders ab - oft mit einem mumigen Gefühl im Magen: "Ich bin da viel gehemmter als früher. Dann verkaufe ich auch sehr schnell wieder, weil ich halt so ein Sicherheitsdenken entwickelt habe. Wir wollen keine weiteren Verluste machen."
Das Rato-Vermögen beträgt zur Zeit noch knapp 50000 Euro. Angefangen haben die Münchner bei einem DAX-Stand von 7300. Und wie der Index haben sie bis heute über 50 Prozent verloren: "Das ist insgesamt nicht zufriedenstellend", gibt Wich mit einem Lächeln zu. Sein Vereinskamerad Linz sieht das Ganze durchaus mit Galgenhumor: "Der Mensch ist für den Aktienhandel einfach denkbar ungeeignet."


Das sehen die Mitglieder eines der ältesten deutschen Aktien-Clubs anders. Und ans Aufgeben denkt im elfköpfigen Nürnberger Investment-Club Moneymaker deshalb niemand. ,,Wir sind seit 20 Jahren dabei, haben auch die Crashs 1987 und 1989 mitgemacht, das kennen andere gar nicht", sagt der Steuerberater Michael Hacker. Das Team besteht ausschließlich aus Männern zwischen Ende 30 und Ende 60. Zurzeit zahlt ein Mitglied lediglich 25 Euro im Monat in die Kasse ein. "Spielgeld", so Hacker. "Wir treffen uns zum Gedankenaustausch, jeder hat parallel auch sein privates Depot. Mit dem Club gehen wir eben in Titel, die man privat nicht kaufen würde."
Der Anlage-Schwerpunkt liegt sprechend auf spekulativen Werten. Die suchen die Franken allerdings eher selten am Neuen Markt. "Risikoreiche Akten gab es schließlich schon immer, vielleicht erinnern Sie sich noch an PanAm, die Fluglinie?" Zurzeit halten sich Hacker und seine Mitstreiter dank der südafrikanischen Minen-Aktie Goldfields auf dem Niveau vom Jahresanfang. "Aber das zweite Halbjahr 2001 war sehr schlecht."


Hacker hat von Clubs im Nürnberger Raum gehört, die jetzt nach zwei, drei Jahren die Segel gestrichen haben. Die Moneymaker stärken dagegen gerade in düsteren Börsenzeiten das Gemeinschaftsgefühl. Sie gehen manchmal zusammen wandern oder veranstalten Grillfeste. Hacker: "Wir stehen hinter der gemeinsamen Sache. Wir kennen uns eben schon sehr lange."
Beim ZEB München ist dagegen die Luft raus. "Wir treffen uns nur noch alle paar Monate", räumt Daniel Krebs ein. Die zwölf Mitglieder legen mittlerweile nur noch in Fonds an oder beteiligen sich direkt an Unternehmen aus dem Bekanntenkreis. "Die Vollmacht liegt beim Geschäftsführer, er entscheidet für uns."


Ähnlich passiv verhält sich derzeit auch die große Mehrheit der knapp 2600 Mitglieder des Münchner Wertpapier-Clubs (MIC). "Wir bemühen uns, trotzdem ein Clubleben aufrechtzuerhalten", betont Geschäftsführer Andreas Grünewald. Regelmäßige Informationsveranstaltungen, Monatsberichte, Telefonhotline und persönliche Erreichbarkeit sind für Grunewald selbstverständlich. Derzeit hat das Depot des Vereins einen Wert von knapp 30 Millionen Euro. In der Performance schlagen sich die Münchner mit knapp zehn Prozent Minus im ersten Halbjahr vergleichsweise gut. Im Zehn-JahresDutchschnitt erzielte der MIC acht Prozent Rendite. Dennoch haben sich im Juni und Juli 40 Gesellschafter auszahlen lassen. Auch die Summe der Einzahlungen ist momentan deutlich geringer als noch vor ein, zwei Jahren. "So ein großer Club, das wäre nichts für mich", resumiert Rato-Mitglied Thomas Linz. "Da kann ich ja nichts bewegen." Bei seinem Verein steht der persönliche Kontakt eben ganz oben auf der Prioritätenliste, er ist aber auch offen für neue Mitglieder "Wir wollen gerne neue Leute, die mitreden und frische Gedanken bringen", sagt Linz.
Denn schließlich soll es weitergehen: "Ich vergleiche die Situation an der Börse immer mit einer Stange, wo mal 100 Spatzen draufsaßen, erklärt Rainer Wich. "90 sind tot. Von den zehn letzten werden auch noch fünf abgeschossen. Aber zu den letzten fünf wollen wir Gehören!" Die Kollegen Schröcker und Linz nicken zustimmend. Wich gekräftigt: "Und ich krall mich mit Händen und Füßen an der Stange fest."


Gemeinsam investieren
Das Risiko auf viele Schultern verteilen, dank des höheren Anlagebetrags über ein gut gestreutes Depot verfügen - die Idee eines Investment-Clubs überzeugt. Allerdings sollte man den Verwaltungsaufwand nicht unterschätzen. Zu einem Club gehört weit mehr als nur Aktien kaufen und verkaufen.
Die meisten Clubs werden als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) geführt, die einzelnen Mitglieder sind Gesellschafter. Es gibt zahlreiche rechtliche Stolpersteine: Zum Beispiel war es bis vor kurzem nicht erlaubt, das Wort "Invest" im Namen zu führen. Viele Clubs wissen auch nicht, dass alle Mitglieder als Depotinhaber eingetragen werden müssen. Und: Die Steuererklärung ist eine wahre Sisyphus-Arbeit. Wer davor nicht zurückschreckt, kann sich von der DSW (www.dswinfo.de), der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (www.sdk.org) und dem Münchner Wertpapier-Club (www.mic-online.de) beraten lassen.

 

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